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Wovon ich bis vor kurzem keine Ahnung hatte:

 

HERALDIK





Die Wappenkunde ist keine gänzlich Unbekannte. Wappen stammen aus dem Mittelalter und waren bei den Reiterspielen nötig, damit der Herold feststellen konnte, ob der Ritter wirklich mit Fug und Recht teilnehmen darf. Wappen stellen den Namen dar und sind mit dem Namen verbunden. Wird ein Rittergut verkauft, verkaufte sich das Wappen oft mit. Das war üblich, aber nicht rechtens.


Die Regeln kann man heute wie folgt nachlesen und fällt unter das Familien-, bzw. Namensrecht:

1. Das Wappen muss ein Wappen sein, d. h. es muss nach den heraldischen Regeln erstellt sein. Es darf kein reines Phantasiegebilde sein.

2. Das Wappen muss in seiner Art ein Unikat sein und keinem anderen Zeichen (Wappen) ähnlich sehen.

3. Das Wappen muss tatsächlich geführt werden.

4. Die Art und Weise der Führung muss öffentlich dokumentiert sein.


Wappen sind einem bekannt durch Bierflaschenetiketten, Regionalbahnen und Botschaftsgebäude. Es gibt Wappen, die fallen auf und es gibt Wappen, die werden vollends übersehen. Am liebsten mag ich die Wappen an Botschaftsgebäuden. Dafür gibt es klare Gründe. Diese Wappen sind hübsch, eindrucksvoll und bunt. Diese Wappen sind nicht auf Gegenstände gedruckt oder gemalt, die jeder Romantik entbehren und sie sind in gelungener Größe auf einer Art Schild, welches schräg-kippend über einem Portal angebracht ist. Ist bei dieser oder jener Botschaft kein Portal vorhanden, so gibt es zumindest eine etwas größere Tür.


Ich hätte auch gerne ein Wappen über meiner Eingangstür.


Also kann ich mir auf verschiedenen Wegen zu einem Wappen verhelfen. Es gibt heraldische Gesellschaften, die beim Wappen bekommen behilflich sind. Sie forschen, ob man sowieso zum Wappenführen berechtigt ist und wenn ja, wie dieses aussieht. Es bestünde die Möglichkeit, dass ich ein Wappen habe, es aber nicht weiß. Dann muss ich forschen oder aber forschen lassen. Wappen vererben sich patrilinear. Wenn man nicht auf ein bereits vorhandenes Familienwappen zurückgreifen kann, wird hier bei der Erstellung eines neuen Wappens und dem Eintrag ins Wappenregister geholfen. Nehmen wir an, nach allergründlichster Recherche findet sich trotzdem kein bereits vorhandenes Wappen. Das ist eigentlich gar nicht so schlimm, denn wer weiß, ob mir das gefallen hätte.


Dann versuche ich also zu einem neuen, rechtlich abgesicherten Wappen zu kommen und beachte Punkte 1). bis 4.) der oben genannten Regeln.


Zu aller erst beachte ich „Ein Wappen muss ein Wappen sein“. Das ist so dermaßen logisch, dass ich es prompt verstehe und akzeptiere. Dann kommt „Es muss nach den heraldischen Regeln erstellt sein“. Das kann man auf verschiedenen Heraldik-Nachhilfe Seiten im Internet nachsehen, da gibt es auch Anleitungen zum Zusammenstellen, die ich mir einfach herunterladen kann. Ich beachte also die Grundform und die Einteilung und die Farben.


Ich nehme also die Grundform „U“, unten etwas spitz und oben mit Deckel, und möchte einen Querbalken von links unten nach rechts oben. Das ist in Wirklichkeit jedoch von rechts unten nach links oben, da man Wappen immer von der Position des Wappenträgers her beschreibt. Das ist mir diesmal schnuppe, da ich sowieso Links-Rechts-Verwechsler bin.

Ich nehme die Farben Weiß und Gold. Ich entscheide mich für diese beiden, weil sie mir gefallen und weil sich das Putzen und Polieren bei diesen Farben erst so richtig lohnt.

Jetzt kommen die Symbole.

Mir gefallen Tiere, Blumen und Werkzeuge. Aber es darf kein Phantasiegebilde sein, das steht auch noch unter Regel Nummer eins. Also keine Einhörner oder aber Drachen!


Jetzt kommt Regel Nummero zwei dazu und schon wird es haarig: „Das Wappen muss in seiner Art ein Unikat sein“. Also nicht abmalen und nichts nehmen was man so kennt. Das schließt steigende Pferde , Lilien, Rosen, Zirkel, Hammer und Sichel aus. Das Beste ist wie immer schon weg.

Ich entscheide mich also für einen deutlich erkennbaren Golden Retriver neben einer Standbohrmaschine umrankt von Hirtentäschelkraut.....Fertig.


Schon sind wir bei Punkt drei. „Das Wappen muss tatsächlich geführt werden..“ Kein Problem.


Jeden zweiten Samstag werde ich es mit Hilfe einer Leiter von meiner Hauswand abmachen – es hängt über meiner Eingangstür, die ich extra für das Wappen vergrößert habe, da kein Portal vorhanden - und werde es durch den Garten führen. Ab und an, vielleicht zu Ostern, einmal die Straße rauf und runter. Dann hänge ich es wieder schräg-kippend über meine vergrößerte Eingangstür.


Zu guter Letzt kümmere ich mich um Punkt vier der Heraldikregeln: „Die Art und Weise der Führung muss öffentlich dokumentiert sein.“ Das klingt einfacher als es ist. Denn: „die Art und Weise“ ist hier gefragt. Da reicht ein simples Foto in der örtlichen Tageszeitung nicht aus. Das müsste im reduziertesten Fall eine Fotostrecke sein, damit man die Art und Weise wirklich rüberbringen kann. Da geht es um die Stimmung, um das Gefühl, eben um die Art und Weise. Also brauche ich ein paar Atmo-Fotos von meiner Art und Weise das Wappen zu führen oder jemand filmt mein Gang die Straße rauf und runter, dies wäre einfacher und noch dazu ausreichend.


Das Veröffentlichen eines Videos ist heute keine große Sache und ich kann sogar auf die Lokalpresse verzichten.


Jetzt sind alle Wichtigkeiten abgehakt.


Ich stelle mir vor, da ich alle Regeln sehr genau beachte, darf ich das Wappen also führen. Ich freue mich über mein Kippschild über der Pforte, da größer als eine Tür und kleiner als ein Portal. Ich mache mir Gedanken über mögliches Beiwerk zum Wappen, damit es nicht so allein an der Hauswand hängt. Da wären dann Dinge wie Standarten, Fahnen, Flaggen und Scheiben aus buntem Glas, die dem Wappen einen gewissen Rahmen gäben. Ich werde mein Wappenzertifikat im Treppenhaus oder aber im Schreibzimmer hängen haben und jährlich meinen Eintrag in die Wappenrolle feiern: weiß-goldene Törtchen in Wappenform und Persico.