back

home

exhib

object

video

photo II

photo I

divers

text

NEW !

next



 

 

 

Wovon ich bis vor kurzem keine Ahnung hatte:

 

Numismatik

 

Museumsbesuche sind eine meiner Leidenschaften, folglich war ich schon in vielen Museen und auch in verschiedenen Münzsammlungen. Die habe ich mehr oder weniger genossen. Das Genießen hing allerdings nicht von den Exponaten ab, sondern von der Art, wie sie präsentiert wurden. Die erste Sammlung die ich angeschaut habe war in Paris in der alten Nationalbibliothek, das war ein recht nüchterne Ausstellung mit vielen verschiebbaren Lupen, die mir gefallen haben. Die zweite war im Musée de la Monnaie ebenfalls in Paris. Diese war schön, weil ausschließlich die Münzen mit kleinen Lampen über winzige Spiegel angestrahlt wurden, diese schwebten wie Geldregen in den ansonsten schwarzen Vitrinen. Eine Sterntaler-Situation, sehr romantisch. Die dritte war in Rom im Palazzo Massimo, im Keller. Ausführlich, lehrreich und mit fernsteuerbaren Lupen, die ein Märklin-Gefühl verursacht haben. Alles hellerleuchtet, sauber und mit ausführlichen Erklärungen in italienischer Sprache. Die vierte und bisher letzte Münzsammlung habe ich im Bode Museum betrachtet. Diese war mit Abstand die langweiligste und traurigste von allen. Aber, wie es oft geschieht, hatte die Ödnis sein Gutes. Ich habe mir alle Informationsblätter mitgenommen die es gab, aus Verzweiflung.

 

Abends  habe ich sie dann durchgelesen. Ein Thema kann durch nachhaltige Wissens-aneignung interessanter werden als vermutet – jemals nur im Traum vermutet. Und es funktioniert.

Im Folgenden versuche ich mit eigenen Worten wieder zu geben, was interessant war.

 

Achtung, dieser Teil kann übersprungen werden:

Die Geschichte der Münze begann mutmaßlich ungefähr im 7. Jahrhundert v. Chr. in Lydien, die ersten Stücke die wir kennen (Elektron-Trite, zweite Hälfte 7.Jh.v. Chr.) waren aus Elektron, einer Legierung von Gold und Silber, und hatten bereits einfache Prägungen. Innerhalb des folgenden Jahrhunderts breiteten sich Münzen durch Handel und Kolonien schnell aus und es wurden feinere Bilder geprägt, Athen hatte zum Beispiel und logischerweise die Athene auf der einen und eine Eule auf der anderen Seite (Dekadrachme nach 467 v. Chr). Dies waren eindeutige Symbole für die Herkunft der Münze. Alexander der Große hat als erster sein eigenes Abbild auf das Geld prägen lassen (Tetradrachme 297-281 v. Chr.). Er war der erste, der das Geld als politische Propaganda und als Herrschaftsattribut verwendet hatte. Zu jener Zeit konnte man schon klar erkennen, woher eine Münze kam und die Aufschrift galt als Bürgschaft des Herrschers oder des Staates für ihr Gewicht und den Feingehalt, das heißt die Zusammensetzung der Legierung. Bald setzte sich ein bimetallisches Nominalsystem durch, das bedeutet es gab unterschiedliche Münzen mit verschiedenem Wert aus Gold oder Silber (6. Jh. v. Chr). Da das sehr praktisch war breitete sich dieses System rasant aus.



Wie man Münzen herstellt und gebraucht führten keltische Söldner nach dem sie wieder zu Hause waren  in ihrer Heimat ein und so kam zum Tauschhandel ein Wissenstransfer der eindeutig nachzuvollziehen ist. Durch die Neuordnung des zerfallenden spätromischen Reiches gab es plötzlich viele unterschiedliche Währungen, bei welchen der Wert nicht mehr verbürgt war, der Geldwert verschlechterte sich und war nicht mehr sicher. Man versuchte das durch eine Geldreform zu stabilisieren, indem man feste Wechselverhältnisse einführen wollte. Das klappte nicht so einfach und es gab eine Abwertung bestimmter Münzen (300 n. Chr.).

 

Zu ungefähr dieser Zeit hat man auch die ersten Medaillen herstellen lassen. Als Belohnung, die zum Beispiel für sportliche Leistungen verliehen wurden und nicht für den Tauschhandel gedacht waren, daher sind sie auch größer und schwerer, also unhandlicher, aber besser geeignet zum herumzeigen. Wir sehen, dass in unsicheren ökonomischen Zeiten Wert auf Belohnungs- und Belustigungsstrategien gelegt wurde, ohne gerechte Bezahlung. Über das frühe Mittelalter gibt es wenig Zeugnisse, daher sind die Münzen dieser Zeit erstrangige historische Quellen.

Zwei Vitrinen, etwa in der Größe je eines Stiefelkartons fand ich besonders gelungen: die eine enthielt Werkzeug eines Münzfälschers, die andere nicht-monetäre Währungen. Neben den üblichen Muschelketten und Federn gab es uralte afrikanische Geldstäbe, diese waren ca.30 cm lang und sahen aus wie zwei in der Mitte zusammen geschweißte lange dünne „T“. Ich versuche mir die passende Geldbörse vorzustellen und meine Überlegung endete beim Geldgürtel; wahrscheinlich dem ersten, den es gab.

 

Im letzten Raum waren die Massenfunde. Es gibt tatsächlich die Schatzkisten voller Geld, die man zufällig ausgräbt. So habe ich mir immer Reichtum vorgestellt: man kniet neben eine schweren Holztruhe, der  riesige metallbeschlagene Deckel ist aufklappt und man wühlt bis zum Ellenbogen in klimpernden Metallstücken, wie die karitative Häkelrunde einer Kleinstadt in den gesammelten Wollresten.

 

 

 

Vokabelteil:

Kolumne: von columna / Säule, gemeint ist die senkrechte Reihe einer Druckspalte, auch  Schriftspalte und/oder ein Text der regelmäßig an derselben Stelle einer Zeitschrift von einem Autor erscheint.

Numismatik: Münzkunde von nómisma (gr. Geldstück) zu numisma (lat.) zu wahrscheinlich science numismatique (fr.)

Lydien: eine Gegend in West-Kleinasien und zwar zwischen Mysien, Phrygien und Karien. Die Hauptstadt hieß Sardien und es war ein Königreich zwischen 685-547 v. Chr. Der bekannteste König hieß Krösus.

Medaille: künstlerisch gestaltete, zu einem Gedenken an eine Person oder ein Ereignis geprägte Schaumünze; eine als Auszeichnung verliehene Münze. Ohne Geldwert.