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Wovon ich bis vor kurzem keine Ahnung hatte:

 

 

Trepanation




Der Vorteil beim Verschicken von Texten ist folgender: es antwortet möglicherweise jemand.


Das ist geschehen und es kam der Vorschlag es mal mit Trepanation zu versuchen. Das erinnert mich sofort an das Lexikon-Spiel.


Dabei sollten ca. sechs Personen mitspielen, jeder braucht Stift und Papier. Einer darf dann in einem Nachschlagewerk blättern und dabei einen unbekannten Begriff suchen. Dann fragt er die anderen, ob sie diesen Begriff ebenfalls nicht kennen. Falls das der Fall ist geht es los.

Der eine schreibt den Text ab und die anderen denken sich eine mögliche Begriffserklärung aus. Der Wissende sammelt alle Zettel ein und liest, nach reichlichem mischeln der Blätter, alle nacheinander vor.

Frage: welcher Text ist der aus dem Nachschlagewerk? Die Punkte werden so verteilt: Wird ein ausgedachter Text für den echten gehalten bekommt der Verfasser einen Punkt, wird der Originale nicht erkannt, bekommt der Wissende einen Punkt, wird der richtige erkannt, bekommt der Erkenner einen Punkt. Dann ist der nächste dran. Schön sind dabei mindestens zwei Sachverhalte.


Erstens braucht man ein Nachschlagewerk zum blättern, sprich ein Buch.

Zweitens geht das nicht online, denn wie soll man dann die Texte mischeln.


Trepanation wäre ganz klar ein möglicher Wort-Kandidat für dieses Spiel.

Um es kurz zu machen: Die Trepanation ist das Bohren in die Schädeldecke, ab und an gilt auch Zahn oder Nasennebenhöhlen. Auf jeden Fall handelt es sich um das Bohren in eine fest umschlossene Körperhöhle. Die Spezialinstrumente zum bohren-sägen-fräsen heißen kurz Trepan.


Obwohl es aus der lateinischen Sprache kommen soll, taucht es in den entsprechenden Wörterbüchern nicht auf, auch nicht im Etymologischen Wörterbuch des Deutschen. Laut Reclam stammt das Wort aus dem Französischen. Im Pons habe ich es dann auch gefunden „schädelbohren = trépaner“, das klingt sehr unternehmungslustig und so, als ob das nicht wirklich ungewöhnlich wäre, das Schädelbohren. Es hat den Anschein als könnte man nach Ladenschluß mit Freunden kartenspielen, kaffeetrinken oder eben auch mal schädelbohren. Die Italiener ändern ein klein wenig am Wort und nennen es trapanare, das geht leichter über die Zunge und schneller in den Schädel. Der Bohrer heißt nun anstatt Trepan einfach und flott trapano.


Das klingt wirklich fröhlich und wenn ich mich entscheiden müsste wo ich mir den Schädel bohren lasse, ich würde Italien nehmen. Ich meine, wenn man die Wahl hat zwischen den Worten des behandelnden Arztes: „Bereiten Sie sich bitte auf die Trepanation vor“ oder „Vengo con il piccolo trapano“, dann - mal ehrlich - nimmt man den Italiener.


Da ja eine der Wiegen der europäischen Kultur Sizilien ist, ist wahrscheinlich auch dort die Schädelbohrerei uralt und schon ewig fester Bestandteil der Ersten Hilfe. Eine große Stadt, die sechstgrößte der Insel, heißt nun mal Trapani. Plural. Die Schädelbohrer. Also noch ein Grund sich den Schädel in Italien an- oder durchbohren zu lassen; dort blickt dieses Handwerk gegebenenfalls auf eine lange Tradition zurück.


Das Trepanieren ist wirklich schon sehr alt: Die ersten Funde durchbohrter Schädeldecken stammen aus dem Neolithikum. Am Naturhistorischen Museum in Basel, Fachgebiet Geowissenschaften, gibt es das „Projekt Trepanation“ und hier wird an einem aktuellen gesamtschweizerischen Trepanations-Katalog gearbeitet. Das denke ich mir nicht aus, das kann man auf der entsprechenden Seite in der Rubrik „Archive des Lebens“ nachlesen. Ebenda ist ein großzügig durchbohrter Schädel abgebildet, der bei Ausgrabungen einer keltischen Siedlung gefunden wurde. Den Schädel nennt man der besseren Unterscheidung halber „Basel-Gasfabrik“ und man stellte fest, dass der jugendliche Kelte mit dem Schädel dieses Namens den Eingriff kurz überlebt hat.


Auch andine Gesellschaften haben das trepanieren betrieben, man fand Schädel in Peru, die ca. 400 v. Chr. angebohrt wurden. In ungefähr dieser Gegend grub man Reste der Inka-Kultur aus. Von den Totenköpfen die man fand, war jeder sechste angebohrt. Das bringt ihnen den Namen „Weltmeister der Schädel-Chirurgie“ ein.


Meine Lieblingsschädel sind ungebohrt. Einerseits die mit Rosen und Lorbeer bemalten Totenköpfe aus Hallstatt, wo die Schädelmalerei bis heute betrieben wird. Gesehen im Naturhistorischen Museum Wien, die schränkeweise Schädel haben. Und andererseits einen Schädel mit Einschlagloch nebst Mordwaffe, beides gereinigt, im Kriminalmuseum Wien.


Vokabelteil für Trepanation:

1. (lat.) Eröffnung einer durch eine feste Kapsel umschlossenen Körperhöhle, besonders der Schädelhöhle mit bohrend-sägend-fräsenden Spezialinstrumenten (Trepan). Aus: ich-weiß-was.de

2. (frz.) Öffnen des Schädels mit einem Bohrgerät (Med.) Aus: Kleines Fremdwörterbuch, Reclam

3. Trepan (Schädelbohrer) trépan m; trépanation; trépaner aus: Pons Großwörterbuch, Klett

4. Im Englischwörtebuch habe ich nichts gefunden, nach trennbar kam unverzüglich treppauf.

4. Im Italienischwörterbuch ist es wieder da: (Schädelbohrer) trapano m; trapanazione; trapanare.

5. Im Duden der deutschen Rechtschreibung fehlte es, dafür gab es „Trepang, der“ (malai.) das Wort für die getrocknete Seegurke.

6. (gr.)von τρέπαυου: Öffnung einer Körperhöhle, insbesondere des Schädels durch Anbohrung. Aus: Fremdwörterlexikon des Herrn Kienle

7. DeathMetalBand aus Elten/Haldern/Dinxperlo/Emmerich, Nordrhein-Westfalen
8. Beitrag im Psychotanten Forum vom 19.8.2009: Liebe Leute, gerade habe ich meine Selbst-Trepanation hinter mir und bin Mitglied der offenen Schädel-Community, die Deutschlandweit derzeit 10.073 Mitglieder umfasst, Tendenz leicht steigend, darunter auch einige Prominente, der Name neimals an Licht kommen wird. Wer sich mit diesem Thema vetraut machen möchte, möge doch in der Suchmaschiene den Begriff "Immo Jalass" eingeben, in diesem Interview erhält man profunde Auskünfte. In diesem Sinne- der Schädel MUSS auf! Es grüßt euch der Trepan.


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